Phở Chay Instant-Reisnudeln mit Gemüsegeschmack - Asia Green Garden von Hofer
Auf Lebensmittelrecht-Deutsch handelt es sich bei diesem Phở Chay um eine Instant-Reisnudelsuppe mit Gemüsegeschmack. Die Portion zu 70g setzt sich zusammen aus 55g Reisnudeln, 7,5g Würzender Zubereitung, 4g Würzöl und 3,5g Chilliöl. Ende März 2025 kostete das Gericht bei Hofer 1,29. Hergestellt wurde es tatsächlich in Vietnam, es ist aber nur der Importeur benannt: die Wünsche Handelsgesellschaft International mbH & CoKG, wohl ein Teil der Wünsche Group. Die ist sogar groß genug für einen eigenen Wikipedia-Artikel. Es scheint sich um ein Import/Export-Unternehmen zu handeln, das neben Lebensmitteln auch Kleidung, Elektronik und anderes Zeug aus Asien importiert.
Für Leute wie mich, für die der Begriff Phở recht bedeutungsleer ist: es handelt sich um eine klare Rindssuppe mit Reis-Bandnudeln aus Vietnam.
Zutaten und Nährwerte
Man hat es hier (endlich) mit einem Fertiggericht ganz wie man sie sich vorstellt zu tun: Jede Menge technologischer Zusätze. Die Nudeln bestehen aus Reis, Salz, Zucker sowie Tapiokastärke und Natrium-Carboxymethylcellulose, Geschmacksverstärkern und Triphosphaten als Stabilisator. Tapiokastärke wird aus Maniok (auch Cassava) gewonnen und hat einen recht hohen Gehalt an Amylopektin, das zusätzlich durch die Extraktion bereits etwas verkleistert ist. Sie eignet sich damit hervorragend als Bindemittel. Natrium-Carboxymethylcellulosen werden durch Reaktion von Zellstoff mit Chloressigsäure gewonnen. Ein Überschuss an Chloressigsäure führt über Glycolsäure zur Quervernetzung der einzelnen Cellulosemoleküle. Das fertige Produkt kann dadurch größere Mengen Wasser binden, ist aber selbst völlig wasserunlöslich. Als Geschmacksverstärker werden Mononatriumglutamat, Dinatriumguanylat und Dinatriuminosinat verwendet:
- Mononatriumglutamat: Wohl bereits weit bekannt, ein Natriumsalz der natürlich in Proteinen auftretenden Glutaminsäure. Es erzeugt einen vollmundigen Geschmack, der als Umami bezeichnet wird. Die Idee, Glutamate könnten gesundheitsschädlich sein ist aus Sicht der Naturwissenschaft nicht nur widerlegt, sondern auch im Vorherrein seltsam: Schließlich nimmt jeder täglich etwa 10g Glutaminsäure durch die Nahrung in Proteinen auf, es bildet körpereigene Proteine, dient als Botenstoff in Nerven, ist die mengenmäßig bedeutendste Aminosäure in Muttermilch etc. etc. etc.
- Dinatriumguanylat: Trotz des ähnlichen Namens nicht mit Glutamat zu verwechseln: es ist ein Ribonucleotid, das den Geschmacksreiz von Glutamaten verstärkt. Kommt besonders viel in Pilzen und Hefeextrakt vor.
- Dinatriuminosinat: Ebenfalls ein 5'-Ribonukleotid, das den Glutamatgeschmack verstärkt. Es entsteht während der Fleischreife aus dem durch die Totenstarre abgebauten ATP.
Die Würzende Zubereitung besteht aus Salz, Zucker, den bereits genannten Geschmacksverstärkern, zusätzlichem Hefeextrakt, Maltodextrin, Sojasaucenpulver, Siliciumdioxid (reiner Sand) als Trennmittel, Ammonsulfit-Zuckerkulör als Farbstoff und Citronensäure. Hefeextrakt wird durch die Selbstzersetzung (Autolyse) von Hefekulturen erhalten. Bekannte Produkte sind Marmite und Vegimite, der herzhafte Geschmack ist hauptsächlich auf die genannten Geschmacksverstärker zurückzuführen. Maltodextrin ist eine modifizierte Stärke, die durch den teilweisen Abbau von Stärke durch Enzyme oder Säure produziert wird. Es wird als Verdickungsmittel verwendet. Ammonsulfit-Zuckerkulör wird durch schnelles starkes Erhitzen von Haushaltszucker oder Fruchtzucker mit Ammoniumsulfit hergestellt und ist ein brauner Farbstoff.
Das Würzöl besteht aus einer Basis aus Palmöl, daneben Schalotte, Pilzpulver, Knoblauch und Paprikaextrakt mit Capsanthin und Capsorubin (beides Carotinoide) als Farbstoff.
Die Chilisauce hat als Hauptzutat Wasser, dann Zucker, Salz, Chili, Citronensäure und Essigsäure. Die Viskosität wird durch Xanthan (ein bakterielles Polysaccharid) und acetyliertes Distärkeadipat (eine Verbindiung von der ich selbst noch nie gehört habe) eingestellt. Es handelt sich um eine modifizierte Stärke, die durch Reaktion von Essigsäureanhydrid und Adipinsäureanhydrid mit Stärke gewonnen wird. Das Adipinsäureanhydrid führt dabei zur Quervernetzung der Stärkemoleküle. Als modifizierte Stärke sollte sie bei der Verdauung restlos abgebaut werden. Verderb wird durch Kaliumsorbat und Natriumbenzoat verhindert.

Wie wir sehen, hat die Suppe wohl nicht mal die Nähe von Rindfleisch erlebt und dürfte daher vegetarisch, sogar vegan sein.
Die Nährwerte sind leider nur per 100g angegeben, nicht pro Portion. Es ist mir nicht ganz klar, ob diese Nährwerte die fertige Suppe oder die trockenen Vorprodukte beschreiben. Nehmen wir an, dass sie sich auf die fertige Suppe beziehen, deckt eine Portion 17% des Energiebedarfs, 12% des Proteins, und 205% der empfohlenen Salzaufnahme. Es ist damit vielleicht ein Snack, aber eine recht dünne Mahlzeit.

Haltbarkeit und Zubereitung
Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist mit einem Jahr angegeben. Ich vermute, dass bei trockener Lagerung das Produkt noch wesentlich länger hält. Nach ein, zwei Jahren dürfte das Würzöl zwar ranzig geworden sein, aber ich sehe nicht, was am Rest verderben könnte.

Die Zubereitung ist sehr einfach: 400mL Wasser werden zum Sieden erhitzt, dann in die Papiertasse über die Nudeln gegossen. Die Päckchen der würzenden Zubereitung und des Würzöls werden aufgerissen und der Inhalt eingerührt. Da ich scharfes Essen nicht mag, habe ich die Chilisauce weggelassen. Nach drei Minuten ziehen sind die Nudeln weich. Die Verpackung des Würzöls finde ich recht schlecht durchdacht. Die Päckchen sind schwer aufzureißen, und schafft man es endlich, schmiert man sich mit dem Öl voll. Es bleibt auch immer ein Rest im Päckchen kleben, was mich stört.
Das Essen
Da ich nie authentisches Pho gegessen habe, kann ich es nicht damit vergleichen.
Die Suppe war überraschend klar, die orangen Fettaugen geben einen dringend notwendigen Farbakzent. Sie schmeckt hauptsächlich nach Salz, eine Rindfleischnote konnte ich nicht ausmachen. Auch das Würzöl hob sich nicht bemerkbar ab. Die Nudeln sind nicht glibberig, sondern haben noch ausreichend Biss, um angenehm zu Essen zu sein. Wirklich gut satt habe ich mich nach dem Essen nicht gefühlt.
Entsorgung
Die Papiertasse kann, wie auf den Fotos zu sehen, in einen bedruckten Kragen aus Pappe und eine innere Tasse aus beschichtetem Papier zerlegt werden. Ich glaube auch das beschichtete Papier kann recycelt werden, weswegen man sich die Mühe nicht machen muss
Alles in Allem
Die bescheidene Portion und der wenig aufregende Geschmack werden meiner Meinung nach nicht durch den niedrigen Preis von 1,29€ wettgemacht. Steht der Sinn nach asiatischer Nudelsuppe würde ich trotz dem notwendigen Abwasch zu den herkömmlichen folienverpackten Nudelblöcken greifen. Momentan ist ein Pack zu vier Portion zu 85g für 1,99 bei Hofer zu haben. Man bekommt etwas mehr Essen für viel weniger Geld.
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