Pinzgauer Käsespätzle - Good Choice von Hofer

Anders als alle anderen Produkte bisher listet die Rückseite keine andere Produktbezeichnung auf. Eine Packung zu 380g kostete bei Hofer Anfang März 2025 2,85. Hergestellt wurde es von GMS Gourmet, welches auch Gemeinschaftsverpflegung für Kantinen, Altersheime und Essen auf Rädern anbietet. Eine kuriose Beobachtung: Geht man die einzelnen Unterseiten der Angebote durch, sieht man überall fröhliche Menschen. Nur im Private Label findet man einen Mann im Labor vor einem Mikroskop (Ein Olympus BH-2 oder CH-2 übrigens).
Aufgrund des Namens des Blogs könnte man eine starke Meinung zu Kässpätzle erwarten. Tatsächlich habe ich mich als Kind Kässpätzle verweigert und dementsprechend gab es es kaum.
Zutaten und Nährwerte
Der Blick auf die Zutatenliste lässt leider übles erwarten. Die 71% Spätzle bestehen aus Weizenmehl und -gries, gebunden mit echtem Ei, daneben Salz, Rapsöl und aus irgendeinem Grund Zitronensäure. Es folgen Zwiebeln, Wasser, Schlagobers (welcher bei uns Rahm heißt) und - endlich - der Käse. Sagenhafte 3% oder 11,4g. Immerhin eine Mischung aus Emmentaler und Pinzgauer Bierkäse. Hausgemachte Kässpätzle bestehen eher zu 25% aus Käse. Stärke, Pfeffer, Aromen und Phosphate als Stabilisator vervollständigen das Gericht. Die Phosphate binden Calcium und verhindern Flockung der Milchproteine. Die Milchproteinkörperchen quellen auf und erlauben ihnen mehr Fett und Wasser zu binden. Im Endeffekt: Der Käse schmilzt cremig und trennt sich nicht in Fett und Protein 1.

Das Produkt könnte vegetarisch sein, ist aber nicht zertifiziert.
Die Nährwerte listen die ganze Packung als eine Portion. Diese deckt 27% des Tagesbedarfs an Energie, und 39% des Proteinbedarf. Etwas Überraschend ist der Zuckergehalt mit 11g (12%), obwohl kein zugesetzter Zucker gelistet ist. Der Käse ist gereift und sollte daher nur noch sehr wenig Milchzucker enthalten. Schlagobers sollte hauptsächlich Wasser sein. Wo kommt der Zucker her?

Haltbarkeit und Zubereitung
Das Produkt ist unter Schutzgas verpackt und gekühlt bei 2-7°C zumindest drei Wochen haltbar.
Die Zubereitung in der Mikrowelle ist wie üblich: Folie einstechen, dann bei 400W 5-6 Minuten in der Mikrowelle erwärmen. Die Siegelfolie lässt sich ohne Probleme an einem Stück abziehen. Eine Erwärmung im Wasserbad wird ebenfalls beschrieben, sie dauert 25-30 Minuten und danach soll in Kaltem Wasser abgeschreckt werden. Wem langweilig ist...
Das Essen

Der erste Eindruck mutet traurig an. Der Käse ist gut versteckt, nach etwas rühren findet man ihn aber. Auch stellen sich die Röstzwiebeln als Teil des Serviervorschlags heraus. Daneben handelt es sich offensichtlich um Knöpfle und nicht um Spätzle.

Der Unterschied ist in der Herstellung und Form. Für Spätzle wird traditionell der Teig auf ein Spätzlebrett geschmiert und mit einem Schaber als dünne Streifen in siedendes Wasser geschabt. Einfacher, man verwendet einen Spätzlehobel mit dünnflüssigem Teig. Es entstehen längliche Teigklümpchen. Für Knöpfle wird ein dicker Teig mit dem Hobel in siedendes Wasser gehobelt: Die Teigklümpchen sind dann ungefähr gleich lang wie breit.
Der Geruch passt einigermaßen zu Kässpätzle, die eigentlich Käsknöpfle sind. Aber im Geschmack zeigt sich der Mangel an Käse deutlich. Salz und Zwiebel ist da, auch das Ei des Knöpfle, der Käse leider eben nur äußerst zurückhaltend. Das Mundgefühl ist dagegen gut. Die Knöpfle haben eine angenehmen zähe Textur (der Engländer würde chewy sagen, kauig), und etwas Cremigkeit ist auch da.
Entsorgung
Die Kartonbinde besteht aus FSC-Mix und kann als Altpapier recycelt werden. Die Kunststoffschale ist wohl Polypropylen und kann in den Kunststoffmüll, die Siegelfolie wird vermutlich nicht recycelt.
Alles in Allem
Ich bin durchaus enttäuscht von diesem Produkt. Man kann es essen, und man fühlt sich danach satt, aber es ist einfach viel zu wenig Käse. Auch das auf die Zugabe von Röstzwiebeln verzichtet wurde stört mich. Alternativ gibt es bei Hofer 500g Spätzle, die auch tatsächlich Spätzle sind, für 1,99 und 250g geriebenen Emmentaler um 2,79. Doch etwas teurer, aber halt tatsächliche Kässpätzle, nicht Knöpfle mit Käsealibi.
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Werner Baltes, Reinhard Matissek: Lebensmittelchemie. 7. Auflage, Springer, Seite 233f.↩